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Aus dem Verein

Nachlese Community Day im September

Der Community Day des itSMF Deutschland e.V. beschäftigt sich mit Observability und Monitoring.

Wer davon ausgeht, dass man nur ein neues „Rebranding“ für das altbekannte Monitoring erschaffen hat, liegt falsch. Observability ist nicht nur die benötigte Weiterentwicklung vorhandener Prozesse, sondern die Antwort auf veränderte Umgebungen und Anforderungen, die das klassische Monitoring nicht mehr abdecken kann.

Der Begriff „Observability“ wird im Servicemanagement immer populärer. Dabei handelt es sich um eine natürliche Weiterentwicklung der klassischen Monitoring-Verfahren. Eine der größten Herausforderung im Eventmangement besteht inzwischen darin, zu erkennen, ob eine Störung vorliegt und welche Systeme betroffen sind. Mit Aufzeichnungen von Metriken, Logs und Traces kann Observability hier natürlich wie gehabt unterstützen, indem es den Systemstatus der Service in Echtzeit überwacht und meldet. Die durch Microservices und Container getriebene Umstellung verleiht dem alten Mantra „Was Sie nicht messen können, können Sie nicht managen“ jedoch neue Bedeutung und Aktualität. Worin unterscheidet sich also Observability von Monitoring? Die Bezeichnung als „Rebranding“ von gewöhnlichem Anwendungs-Monitoring scheint oberflächlich betrachtet berechtigt, jedoch gibt es einen kategorischen Unterschied zwischen den Begriffen: Während „Monitoring“ ein Vorgehen beschreibt, ist mit „Observability“ das Attribut eines Systems gemeint. Ernest Mueller, ein Engineering Manager und Technik-Blogger schrieb 2018 dazu: „Observability beschreibt die Eigenschaft eines Systems. Man kann ein System mit verschiedenen Instrumenten überwachen, aber wenn sein Zustand verhindert, herauszufinden, was da drin eigentlich vor sich geht, dann steckt man fest.“ Das macht es zunehmend schwierig, die Performance eines Programmes einzuschätzen, weil alles ständig aktualisiert und neu katalogisiert wird. Die Entwickler legen immer mehr Wert auf die Observability ihrer Anwendungen, um einen reibungslosen Betrieb sicher zu stellen. Observability versucht diese Fragen zu beantworten, mit Blick auf das große und ganze, ohne das Detail aus den Augen zu verlieren. Observability in der Praxis ist auch die Frage nach Automatisierung, KI-Unterstützung und Servicemodellierung. Servicemodelle können und müssen automatisiert erkannt und instanziiert werden, Meßverfahren und –punkte werden ki-unterstützt und in Zukunft vielleicht sogar dank Big Data-Analysen automatisiert erstellt. Predictive Maintenance soll keine Utopie bleiben, sondern ist die Antwort auf die, mit klassischen Methoden kaum zu bewältigende, Masse an Daten, Logfiles und Events in der High Velocity IT.

Fachforum für Observability und Monitoring – Impulsvorträge und Diskussion zur Gründung des Forums

Ingo Bruns (Atruvia AG) eröffnet den Community Day im September mit der Vorstellung des neu gegründeten Fachforums. Er berichtet davon, dass die Idee dazu nach dem Online-Forum des itSMF im April 2021 aufgekommen ist. Dieses sehr spannende neue Thema soll als Arbeitskreis unterschiedliche Blickwinkel und Lösungsansätze liefern, den wertvollen Austausch untereinander fördern und als Inputquelle für alle Interessierten dienen. Vom Output des Fachforums profitiert die gesamte Community des itSMF. Nach dieser Vorstellung zeigt Bruns die Herausforderungen des Service Monitorings anhand von Beispielen der Atruvia AG (ehemals Fiducia 6 GAD IT AG), die als IT-Service Provider für die Genossenschaftsbanken in Deutschland tätig ist. Hier muss der sich ständig verändernden Umgebung Rechnung getragen werden.

IT Monitoring, das jahrelang gut funktioniert hat, kann die neuen Anforderungen nicht mehr abdecken. Die Herangehensweise wurde folglich verändert und die Prozesse unter dem Begriff Observability neu zusammengefasst. Dazu zählen automatisiertes, faktenbasiertes Operating, Machine-Learning, Anomaly-Detection und das Predictive-Monitoring. Die Vision der Observability ist eine neue Schnittstelle, die Monitoring Tools, Synthetic Monitoring, Service Modelle aus CMDB, Full-Stack Monitoring, Log Monitoring, Client Monitoring und Monitoring Enrichment in einen ITOA Monitor/ Business Impact Monitor vereint.

Observabilwhaaaaat? Und warum gerade jetzt?

Der zweite Slot des Community Days wurde von Andre Pietsch (SPLUNK), einem bekennenden Observability Enthusiasten geleitet, der einen sehr eindrucksvollen Überblick über die wachsende Komplexität der Infrastruktur (Ops) und der dafür notwendigen Software Architektur gab. Die Antworten, die SPLUNK dafür gefunden hat und stetig weiterentwickelt, sind komplex, agil und in Echtzeit abrufbar. Während das klassische Monitoring dazu genutzt wird, um Dinge im Auge zu behalten, die erwartungsgemäß zu Problemen führen können, ist Observability darauf ausgelegt, unerwartete Probleme aufzuspüren und zu erklären, warum sie aufgetreten sind. Die Life-Vorführung einer Observability-Action und die darauffolgenden Fragen- und Antworten rundeten den Beitrag von Pietsch ab.

Die Rolle der IT-Servicemodellierung in der Observability

Thorsten Dasbach (Atruvia AG) tauchte im dritten SLOT des Community Days dezidiert in die Materie hinein. Nachdem die interessierten Teilnehmer und Teilnehmerinnen bereits einen guten Überblick über die Funktionalität der Observability gewonnen hatten, wurde die Frage nach dem „Warum“ und dem „Wie“ gestellt. Einzelne wenige Systeme sind beherrsch- und kontrollierbar, Störungen können leicht zugeordnet werden. Je komplexer ein IT-Service, desto unübersichtlicher wird dieser. Die Lösung dafür lautet: Automation! Agile Prozesse bedeuten schnellere Entwicklung, die wiederum schnellere Anpassungen an der Infrastruktur ermöglicht. Die Einbeziehung sowohl von KI-gestützten Methoden, als auch des Business in die Servicemodellierung stellt hier einen echten Meilenstein dar. In der anschließenden Diskussion wurden mitunter kontroverse Haltungen zu dem Thema spürbar.

Die Teilnehmer des Community Days waren sich aber einig darüber, dass Observability ein Bereich ist, an dem in absehbarer Zukunft nichts mehr vorbeiführt.

Das Fachforum freut sich auf Anregungen und Interessenten.

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